KI in der Sozialen Arbeit: Potenziale und Herausforderungen
Der Einsatz von KI-Tools in Organisationen der Kinder- und Jugendarbeit bietet vielfältige Potenziale und Herausforderungen. Diese gilt es im Vorfeld des Einsatzes von KI-Tools zu berücksichtigen und praxisnah sowie kritisch zu reflektieren. Auf dieser Seite bieten wir daher Impulse, um einen verantwortungsvollen und gewinnbringenden Umgang mit Künstlicher Intelligenz im sozialpädagogischen Kontext zu ermöglichen.
Potenziale
Zeitersparnis
- Generative KI-Tools können bei routinemäßigen Aufgaben unterstützen, wie etwa beim Schreiben von Berichten, bei Zusammenfassungen von Dokumenten oder bei Recherchetätigkeiten.
- Mit generativen KI-Tools können Inhalte sehr einfach in andere Sprachen oder in einfache Sprache übersetzt werden.
- Regelbasierte KI-Tools, etwa organisationsinterne Chatbots, können Fachkräften dabei helfen, schnell und unkompliziert an wichtige Informationen (z.B. im Intranet einer Organisation) zu kommen.
Unterstützung bei komplexen Aufgaben
- Generative KI-Tools können als Sparring-Partner:innen dienen, um in einen Austausch zu treten und Gedanken zu konkretisieren, oder als Impulsgeber:innen, um Ideen umzusetzen, Konzepte zu entwickeln, Grafiken oder Videos zu erstellen.
- Sowohl generative als auch regelbasierte KI-Tools können Daten in kurzer Zeit analysieren und Muster und Zusammenhänge identifizieren.
Empowerment
- KI-Tools ermöglichen es Fachkräften ohne Spezialkenntnisse (Videoschnitt, Grafikdesign), eigene kreative Ideen umzusetzen (z.B. Podcasts erstellen, Bilder generieren, Plakate gestalten).
- KI-gestützte virtuelle Assistent:innen können eingesetzt werden, um Adressat:innen rund um die Uhr Unterstützung zu bieten. Diese Assistent:innen können einfache Anfragen beantworten oder Adressat:innen an die richtigen Stellen und Ansprechpersonen weiterleiten. Damit geht das Potenzial einher, Betreuungsprozesse zielgerichteter zu gestalten.
- Fachkräfte und Adressat:innen erhalten mit KI-Tools Zugänge zu neuen Wissensbereichen.
Herausforderungen
Mensch-Maschine-Interaktion
- Menschen neigen dazu, maschinell präsentierte Ergebnisse zu bevorzugen, selbst wenn diese falsch sind. Zu großes Vertrauen in KI-Tools kann somit zu Fehlentscheidungen führen. Dies wird auch als Automatisierungsverzerrung bezeichnet.
- Menschen versuchen die Funktionsweise von KI-Tools zu verstehen, während sie diese anwenden, und entwickeln dabei pragmatisches Wissen. Vor allem generative KI-Tools sind aber nicht so konzipiert, dass diese vollständig von Menschen nachvollzogen werden können.
IT-Infrastruktur und Energieverbrauch
Viele generative KI-Tools sind in verschiedenen Nutzungsformen verfügbar, die unterschiedliche Kosten und Datenschutzniveaus bieten:
- Direkte Web-Nutzung: Der einfachste Zugang ist oft kostengünstig oder kostenlos, bietet aber begrenzte Anpassungsmöglichkeiten und keine DSGVO-Konformität.
- API-Nutzung: Die Einbindung über Programmierschnittstellen ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen, erfordert aber technisches Know-how und verursacht nutzungsabhängige Kosten.
- Cloud-Plattformen: Dienste wie Microsoft Azure mit OpenAI-Integration bieten DSGVO-konforme Umgebungen mit europäischen Rechenzentren und zusätzlichen Sicherheitsfunktionen, führen jedoch zu höheren Kosten.
- Eigene Hardware: Der Betrieb von Open-Source-Modellen auf eigener Hardware bietet maximale Kontrolle über Daten und Prozesse, verursacht aber hohe Anschaffungs-, Wartungs- und Personalkosten.
Rechtliche Aspekte
Datenschutz und DSGVO: Die DSGVO-Konformität von generativen KI-Tools ist differenziert zu betrachten:
- Bei Standard-Webdiensten werden Nutzer:innereingaben häufig für Modellverbesserungen verwendet, was datenschutzrechtliche Bedenken aufwirft.
- Spezielle Business-Versionen mit erweiterten Datenschutzeinstellungen können DSGVO-konform gestaltet werden.
- Bei der API-Nutzung oder selbst gehosteten Modellen lässt sich ein höheres Datenschutzniveau realisieren.
Weitere wichtige rechtliche Aspekte:
- Zweckbindung: Daten dürfen nur für Zwecke verwendet werden, denen zugestimmt wurde.
- Urheberrecht: Bei KI-Systemen müssen urheberrechtliche Aspekte beachtet werden.
- Transparenzpflicht: Es muss transparent gemacht werden, wenn Menschen mit KI-Systemen interagieren.
- Haftung: Der AI Act der EU etabliert einen Risiko-basierten Ansatz zur Regulierung von KI. Anbieter:innen und Nutzer:innen von KI-Systemen tragen Verantwortung für deren Einsatz. Je nach Risikoeinstufung des KI-Systems gelten unterschiedliche Anforderungen und Haftungsregeln.
Zitiervorschlag: Andrea Mayr, Christian Steiner, Sabine Klinger, Susanne Sackl-Sharif & Esther Brossmann-Handler (28.02.2025). KI in der Sozialen Arbeit. Potenziale und Herausforderungen. https://digitalesozialearbeit.github.io/ai-socialwork/ai-potentials-challenges